
Streichquartett, 18. Jh., Österreich Foto: zVg
ProgrammZeitung 7-8/2015, S. 11
Wiederentdeckte Übergangszeit
Alfred Ziltener
Die Festtage Alte Musik Basel beleuchten die Zeit um 1740 bis 1780.
Epochen des musikalischen Wandels stehen im Fokus der von Peter Reidemeister, dem 2005 emeritierten Leiter der Schola Cantorum Basiliensis, gemeinsam mit dem Geschäftsführer Renato Pessi begründeten und geleiteten Festtage Alte Musik Basel. Um die Musik des Basler Konzils und den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance ging es 2011; das Festival von 2013 zeigte das Nebeneinander von traditioneller Polyphonie und ‹moderner› Monodie (dem instrumental begleiteten Sologesang) um 1600. Unter dem Titel ‹Vom Barock zur Klassik› beleuchtet die 3. Ausgabe die Übergangszeit zwischen den beiden grossen musikalischen Epochen, die lange vernachlässigt wurde.
Erst in den letzten Jahrzehnten sind die damals tonangebenden Bach-Söhne, vor allem Carl Philipp Emanuel und Johann Christian, in den Fokus gerückt; Komponisten wie Johann Gottfried Müthel, Georg Benda und der Genfer Gaspard Fritz werden langsam wieder-entdeckt. Dabei gehe es, betont Reidemeister, in keiner dieser Epochen um einen radikalen Umbruch: Das Neue verdränge das Bisherige nicht; die Polyphonie etwa sei um 1600 nicht verschwunden, sondern in den Oratorien Joseph Haydns, den Messen Anton Bruckners und in vielen zeitgenössischen Werken sehr lebendig geblieben.

Musik für alle.
Die Musikentwicklung im 18. Jahrhundert ist Teil der Entwicklung von der feudalen Gesellschaft zur bürgerlich geprägten. Das zeigt sich im Bereich der Oper, wo die höfische Opera seria abgelöst wird von der volkstümlichen Opera Buffa. Konzerte finden nicht mehr nur in den Palais des Adels und der Grossbourgeoisie statt, sondern werden zugänglich für alle. Dafür braucht es Konzertsäle und entsprechend grosse Sinfonieorchester. Gleichzeitig entstehen neue Formen der Hausmusik, das Streichquartett und das Lied vor allem, und das Klavier erlebt eine
rasante technische Entwicklung. Die im Barock zentrale Form der Fuge, Inbegriff musikalischer (und Ausdruck ständischer) Ordnung, tritt zurück; in der frei schweifenden, oft improvisatorisch kühnen Solo-Fantasie findet das individualistische Menschenbild des Bürgertums seinen Ausdruck.
In zahlreichen, mit hervorragenden KünstlerInnen besetzten Konzerten breiten die Festtage den musikalischen Reichtum der Epoche aus. Da steht Domenico Cimarosas Oper Buffa ‹L’ Impresario in Angustie› (Der Theaterdirektor in Nöten) neben dem Melodram ‹Ariadne auf Naxos› von Georg Benda, das Thomas Leiniger mit Neukompositionen im Stil Bendas ergänzt hat; da gibt es höfische Divertimenti, Harfenkonzerte, Bläsersextette und Streichquartette mit Schlussfugen; ein Konzert bringt Musik aus der Sammlung von Lucas Sarasin, der das Blaue Haus am Rheinsprung bauen liess. Schliesslich – und das ist eine kleine Sensation – kommt René Jacobs endlich wieder nach Basel zurück und dirigiert Haydns ‹Schöpfung›. Vorträge und Führungen vertiefen die Eindrücke.
Die Reihe war von Anfang als Trilogie geplant. Bleibt es dabei, ist diese Ausgabe die letzte. Das wäre allerdings ein Verlust für Basel. Das klug konzipierte, künstlerisch erstrangige Festival sollte unbedingt weitergeführt werden – spannende Themen gibt es genug im Bereich der Alten Musik.
3. Festtage Alte Musik Basel, ‹Vom Barock zur Klassik›: Fr 21. bis Sa 29.8., div. Orte


























