
Michael Huber mit ‹Stivalino – der gestiefelte Kater›, Foto: Helmut Pogerth
ProgrammZeitung 9/2015, S. 16
Grazile und skurrile Wesen
Dagmar Brunner
Figurentheater-Spiele in Liestal und Basel.
Es ist oft die erste Begegnung mit der Theaterwelt für Kinder (und nicht selten auch Erwachsene): das Puppen-, Marionetten-, Figurenspiel. Und manche stecken sich dabei mit einem lebenslangen Virus für diese Kunst an.
Michael Huber (geb. 1953) entsprach sie, weil er als junger Primarlehrer ohnehin ein Flair für Kinder, Geschichten und Kreatives hatte. Seit 1976, zunächst zusammen mit Margrit Gysin, später solo oder mit PartnerInnen verschiedener Sparten, spielt er in allen Techniken der Gattung und baut die Figuren dafür selbst. 1985 gründete er seine eigene Tourneebühne, die 1994 ihren definitiven Namen erhielt. Rund 20 familien-, kindergarten- und schultaugliche Produktionen hat er bis heute erarbeitet, basierend auf Märchen, Sagen, zeitgenössischen Bilderbüchern oder auch ohne Worte. Und ist dabei fast um die Welt getourt, zu Festivals und Gastspielen in Europa, Asien und Lateinamerika. Auch für Aus- und Weiterbildung des Genres engagiert er sich, und 2010 erhielt er den Kulturpreis des Kantons Basellandschaft.
Das 30-jährige Bestehen seiner Bühne feiert Michael Huber in Kooperation mit dem Palazzo und weiteren Kulturpartnern in Liestal mit einer Retrospektive, bei der in 10 Tagen 10 seiner Stücke zu erleben sind. Ergänzt wird sie durch zwei Podiumsgespräche und ein Jubiläumsfest.
Unterhaltung und Zeitkritik.
Ein breites Spektrum von Produktionen mit Marionetten, Stab-, Hand- und Schattenfiguren, Objekt- und Materialtheater ist auch am ‹FigurenTheaterFestival Basel› zu sehen, das im Zweijahresrythmus und zum 8. Mal stattfindet. Von Christian Schuppli aufgebaut und weiterhin als Vorstand begleitet, wird es nun von Marius Kob und Kathrin Doppler kuratiert und wartet mit einigen Neuerungen auf. So rücken Figurenspiel und zeitgenössische Theaterentwicklungen näher zusammen, sind neben Kinderstücken als Schwerpunkte auch Kurzstücke und installative Aufführungen programmiert. Gespielt wird auf und um den Münsterplatz an diversen Schauplätzen, dazu gibt’s Workshops und Schulvorstellungen. Bühnen aus dem In- und Ausland zeigen skurrile, sentimentale und tragische Wesen und Geschichten, z.T. mit zeitkritischer Färbung. So tritt etwa eine Riesenmarionette von acht Metern auf, ein Schattenspielautomat ist in Aktion, und eine Küche verwandelt sich in ein Raumschiff.
30 Jahre Figurentheater Michael Huber: Di 22.9. bis Do 1.10., Palazzo und div. Orte Liestal, www.theaterhuber.ch
8. ‹FigurenTheaterFestival Basel›: Mi 16. bis So 20.9., div. Orte Basel, www.figurentheaterfestival.ch


























