
Taksim-Trio, Foto: zVg
ProgrammZeitung 4/2015, S. 11
Basler Jazz-Szene in Festlaune
Ruedi Ankli
Das Jubiläum des Jazzfestivals wird mit mehr als
20 Konzerten und 200 Beteiligten gefeiert.
Just am Geburtstag des 2008 tödlich verunglückten schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson eröffnen sechs Jazzmusiker und das Sinfonieorchester Basel heuer das Jazzfestival mit einer Uraufführung: Die ‹E.S.T. Symphony› (E.S.T. steht für Esbjörn Svensson Trio) ist ein aufwändiges Projekt, mit dem im Stadtcasino auch die offizielle Feier zum 25-jährigen Bestehen des Festivals begangen wird. Die nordeuropäische Szene ist ausserdem mit Victoria Tolstoy, Lars Danielsson, Jan Lundgren und Ulf Wakenius (Nachfestival) entsprechend prominent vertreten.
Vor 40 Jahren – auch das ein Jubiläum – war mit ‹jazz in basel› der direkte Vorläufer des Offbeat-Jazzfestivals gegründet worden. Gemeinsam mit Ariane Gscheidle, Irène Grolimund und Christian Fluri sammelte Urs Blindenbacher, der heutige künstlerische Leiter von Offbeat, wichtige Erfahrungen. Das Team brachte in Dutzenden von Einzelkonzerten die Welt der Avantgarde und des Free Jazz nach Basel. Rechtzeitig zum Festival ist ein Jubiläumsbuch erschienen, das diese 40 Jahre, die beiden Dekaden davor und das musikalische Umfeld mit längeren Aufsätzen und reichlich Fotomaterial dokumentiert.
Pioniere und Promis.
Die Erinnerung an die fruchtbare Periode von ‹jazz in basel› (1975–1990) halten mit Joachim Kühn und Daniel Humair zwei Musiker wach, die damals zu den Leitfiguren der europäischen Jazzszene gehörten. Der deutsche Free Jazz-Pionier Joachim Kühn kommt mit seinem ungewöhnlichen Trio Chalaba (Piano-Oud-Perkussion) ins Volkshaus, im Doppelkonzert mit dem erstmals auftretenden Trio des Westschweizer Pianisten Marc Perrenoud. Mit der Formation Hildegard lernt fliegen des Stimmakrobaten Andreas Schaerer und dem Basler Kosmopoliten Gregor Hilbe (Perkussion) im Gespann mit Christian Zehnder (Stimme) ist damit für bedeutende Schweizer Präsenz gesorgt.
Kaum einer hat mit so vielen Jazzgrössen gespielt wie der seit 1960 in Paris lebende Schweizer Schlagzeuger Daniel Humair. Seit gut zwei Dekaden hat er auch so manches
Talent entdeckt. In seinem Quartett Sweet and Sour spielen
mit Vincent Peirani (Akkordeon) und Emile Parisien (Sax) zwei ehemalige Schüler, die ihn mit ihrer unbegrenzten
Improvisationslust durchaus beim Ehrgeiz packen können.
Die Erinnerungen an den Auftritt des Duos in Riehen 2014 sind noch angenehm frisch.
Improvisation versus ‹World Music›.
Als 1990 die Luft für Einzelkonzerte zu dünn geworden war, entstand das Offbeat-Jazzfestival, zuerst in zwei mehrtägigen Blöcken. Dieses Jahr dauert es erstmals über 25 Tage. Von den ursprünglich im Umfeld des improvisierten Jazz angesiedelten Konzerten ging der Trend zusehends zu thematischen Veranstaltungen, die verschiedene Publikumssegmente anziehen.
Heute gehören Themenschwerpunkte wie Orient, Mittelmeer, Afrika oder Lateinamerika zu den Eckpfeilern des Festivals und öffnen das Fenster auf die ‹World Music›. Zu den beliebten Vertretern dieser Sparte gehören der argentinische Bandoneonist Dino Saluzzi oder die beiden Oud-Spieler Anouar Brahem (Tunesien) und Rabih Abou-Khalil (Libanon). Für mediterrane Atmosphären sind die Duos von Paolo Fresu/Bebo Ferra und Rita Marcotulli/Luciano Biondini besorgt. Unter so vielen Altbekannten am Festival gilt es den aufstrebenden US-Trompeter Ambrose Akinmusire zu erwähnen, der erstmals in Basel spielt.
25 Jahre Offbeat-Jazzfestival Basel: Do 16.4. bis So 10.5., diverse Lokale, Infos: www.offbeat-concert.ch
Buch: ‹Jazz Basel. Vier Jahrzehnte Stars und Szene›, Hg. Offbeat, Christoph Merian Verlag, 2015. 148 S., s/w Fotos, gb., 23 x 29 cm, CHF 34


























