
Arznei und Rauschdroge Schlafmohn, Foto: MKB
ProgrammZeitung 3/2015, S. 17
Geschenk und Gift
Nana Badenberg
Eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Opiums.
Nicht die zarten Blüten des Mohns, sondern Bilder von anrüchigen Opiumhöhlen, lässig gekleideten Bohemiens und kunstvoll geschmückten Pfeifenköpfen prägen unsere Vorstellung von dieser Droge. Auch der betäubende Rausch elender Wanderarbeiter oder die kreative Sucht europäischer Literaten nach einer anderen Wahrnehmung von Zeit und Raum sind damit verbunden. Doch sie sind ebenso wie die Opiumkriege, mit denen die britische Kolonialmacht ihre Interessen in China durchsetzte, und die Drogenkontrollprogramme, die heute den illegalen Anbau und Handel einzudämmen versuchen, nur ein spätes Kapitel in der Geschichte des Opiums.
Tatsächlich ist Schlafmohn eine genuin europäische Kulturpflanze: Gefunden wurde er etwa bei archäologischen Untersuchungen der Schweizer Pfahlbauten; griechische Ärzte verschrieben Opium bei Schlaflosigkeit und gegen Schmerzen, und infolge kannte die römische, später die mittelalterliche Medizin opiumgetränkte Schwämme.
Vom Allheilmittel zur Droge.
‹Laudanum› nannte Paracelsus das Arkanum, das auch Felix Platter pries und verschrieb; eine Tinktur gleichen
Namens war noch im 20. Jahrhundert auf dem Markt und wohl die häufigste Darreichungsform. Die Rezeptur freilich variierte. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als man mit ‹Morphium› den Hauptwirkstoff, aber auch andere Alkaloide isolieren konnte, war eine genaue Dosierung möglich. Die Medizin verliess sich fortan lieber auf die Injektion von Morphin oder den Einsatz von Codein (bei Husten).
Opium wurde zur Droge und als solche besungen. Von allen Gerüchen der Welt, so Picasso, sei der des Opiums der am wenigsten dumme. Parfumeure beschreiben ihn als grün (beim frisch geernteten) oder geröstet (beim Arzneibuch-Opium), auf jeden Fall gemahnt er an würzige Erdnussschokolade. Gegessen wurde es als Konfekt: ‹Majun› hiess die mit Honig versetzte Droge.
Die Opiomanen unter den Literaten: de Quincey, Novalis, Baudelaire, Proust, Cocteau oder Trakl, aber auch Albrecht von Haller und vielleicht sogar Annette von Droste-Hülshoff wussten besonders das synchrone
Tableau des Lebens zu schätzen, das sich im Opiumrausch ausbreitet. Auch über diese individuellen und doch vergleichbaren Rauscherfahrungen berichtet die von Doris Buddenberg kuratierte Ausstellung; eine Begleitpublikation beleuchtet ergänzend das weite Spektrum der medizinischen, wirtschaftlich-politischen, kulturellen und literarischen Aspekte.
‹Opium›: Do 19.3., 18.30 (Vernissage), bis So 24.1.16, Museum der Kulturen Basel


























