
‹Princess & Terrorist›, Foto: Lenore Bliever
ProgrammZeitung 2/2015, S. 15
Dringliche Fragen
Corina Lanfranchi
Die konzertante Theaterperformance ‹Princess & Terrorist›.
Wer ist Patty Hearst? Eine Kunstfigur, ein Phänomen, ein Opfer der Gesellschaft oder bloss eine skrupellose Frau mit einem traurigen Schicksal? Fact ist: Die amerikanische Millionenerbin wurde 1974 von der linksradikalen Terrorzelle SLA entführt. Nach 57 Tagen der Gefangenschaft schloss sie sich ihren Entführern im Kampf gegen den Kapitalismus an und beteiligte sich aktiv an bewaffneten Überfällen. Nach ihrer Verhaftung sah sie sich jedoch als instrumentalisiertes Opfer, wurde begnadigt und verriet ihre Genossen vor Gericht. Bis heute ist ihr Fall nicht restlos aufgeklärt. Per Zufall entdeckten die Schauspielerin Anne Haug und der Regisseur Zino Wey eine Notiz über den rund 30 Jahre zurückliegenden Skandal. Ihre Neugier war geweckt: Wer ist Patty Hearst?
Zino Wey, der nach seinem zweijährigen Engagement an den Münchner Kammerspielen nun als freier Regisseur arbeitet, reüssierte letztes Jahr in Basel an den Treibstoff-Tagen mit der Produktion ‹Mein Enkel 2072›; mitgewirkt hat dort auch die Schauspielerin Anne Haug. Für ‹Princess & Terrorist› haben sie nun gemeinsam das Konzept entwickelt und sind dazu Hearsts Spuren gefolgt.
Fragen ohne Antworten.
Am Anfang stand die Sichtung des umfangreichen Dokumentationsmaterials. Doch bald merkten die Theaterleute, dass ihr Interesse nicht allein Patty Hearsts privater Geschichte, sondern auch ihrer damaligen gesellschaftlichen Rolle galt. Zino Wey formuliert es so: «Wir versuchen das Phänomen Hearst aufzuzeigen, indem wir Fragen stellen, die über diese Biografie hinausweisen und für uns eine Dringlichkeit haben.» Damit wird der Fall Hearst höchst aktuell, weil sich jeder einzelne Mensch immer wieder neu fragen muss: Wie frei bin ich in dem, was ich tue? Welche Position beziehe ich innerhalb der Gesellschaft? Was sind die Erwartungen an diese Gesellschaft und was wird von mir erwartet? In welchem sozialen Gefüge will ich mich bewegen, wo gehöre ich dazu? Wo bin ich autonom und wo lasse ich mich bestimmen?
Zusammengekommen sei ein Kaleidoskop an Fragen, so Wey, die im Idealfall zum freien Denken verführten. Die perkussive Begleitung von Ines Brodbeck, Benjamin Brodbeck und Samuel Dühsler spielt zudem eine tragende Rolle. Eine leere Bühne, rhythmische Klänge, dazu eine Stimme und die Dringlichkeit, Fragen stellen zu müssen: Das alles zusammen verspricht einen ebenso spannenden wie eigenwilligen Theaterabend, in dem es letztlich (auch) um die zentrale Frage geht: Wer bin ich eigentlich?
‹Princess & Terrorist›: Fr 13. bis Di 17.2., 20 h (So 19 h), Kaserne Basel


























