
Animation Stadtbibliothek, Foto: zVg
ProgrammZeitung 5/2015, S. 16
Viel Platz zum Schmökern und Chillen
Nana Badenberg
Die ausgebaute Stadtbibliothek Schmiedenhof bietet Genuss für Geist und Gaumen.
Im Januar 2014 wurde er ausgeflogen, jetzt ist er zurück: Isaak Iselin, der Ratsschreiber und Menschenfreund, der 1777 die Gesellschaft ‹zur Aufmunterung und Beförderung des Guten und Gemeinnützigen› gründete. Doch fast betulich nimmt sich die einladende Geste aus, mit der er einem, die Aktentasche in der Hand, in der Statue von Alfred Lanz entgegentritt, angesichts der Neugestaltung von Innenhof und Innenräumen des Schmiedenhofs. Denn die Bibliothek, die nun auf fünf Stockwerken (wieder) eröffnet wird, ist bunt, modern und geräumig und will vor allem eines: den Bedürfnissen heutiger Mediennutzender gerecht werden. Es steht nun doppelt so viel Platz zur Verfügung; die Medien hingegen sind nicht mehr geworden, dafür neuer. Und die raumtrennenden Regale reichen nur auf 1.40 Meter, ermöglichen also Überblick. Das Konzept dahinter entspricht dem Zeitgeist: das Bücherhaus als Erlebnisort und Begegnungsstätte.
Wer die Bibliothek durch den neuen Haupteingang in den Hofarkaden betritt, gelangt in eine Art Transitbereich: Auf einem Fliessband präsentieren sich hier die soeben zurückgebrachten Medien und ziehen die Blicke auf sich. Ein Hingucker (hier trifft der neudeutsche Begriff), und zugleich der Aufruf des Objekts: Nimm mich mit! Für Eilige mag die Lesereise hier schon enden – sie können sich Buch oder Film vom Band schnappen. All jenen, die sich höher hinaufwagen, eröffnen sich Stockwerk für Stockwerk neue, farbige Lesewelten. Der rot ausgezeichnete zweite Stock etwa ist Kindern und Jugendlichen vorbehalten: ‹Chillen, Gamen, Arbeiten› ist das Motto, und für die Kleinen steht als Gefährt zum Leseabenteuer eine Nachbildung der ‹Dante Schuggi› bereit. Es folgt der orange markierte Sachbuchbereich, und ganz oben, im vierten Geschoss, gelangt man schliesslich in den grünen Bereich: Hier befinden sich die belletristischen Titel und mit ihnen einladende Lesesessel und Hörstationen.
Lesevielfalt.
Der Schmiedenhof ist das unbestrittene Zentralgestirn der GGG Bibliotheken – vor dem Umbau kamen über 400’000 Bücher- und Medienhungrige im Jahr, doch fast ebenso viele Gänge führen in die verschiedenen Zweigstellen. Zu diesen Trabanten gehören neben den sechs städtischen die Gemeindebibliothek Pratteln und bald auch Binningen. Sie alle bemühen sich ebenfalls um die junge Leserschaft. Das Angebot etwa unter dem Label Kinderliteratur-Bus ist dabei recht unterschiedlich – die ‹Bücherbanden› zum Beispiel treffen sich wöchentlich; der oft erste Kontakt mit Literatur oder ganz einfach Fantasie ist ein gemeinsamer Erkundungsgang.
Für Kinder und Jugendliche ist das Medienangebot gratis; alle anderen können bedürfnisgerecht auswählen von der rein elektronischen Onleihe über Angebote für Slow Reader bis hin zu Specials für aktuelle Bestseller und Spielfilme. Und die Öffnungszeiten sind attraktiv. Das war nicht
immer so.
Ihre erste Bibliothek richtete die GGG 1807 für die Jugend ein (eine Bürgerbibliothek folgte 1824 und eine für Arbeiter 1842); ausleihen konnten die Mädels und Jungs jeweils nur eine Stunde die Woche. Genau ein Jahrhundert später zog man in den Schmiedenhof; erst dort wurden auch Lesesäle eingerichtet. Nach dem Umbau 1976 verstand man sich dann dezidiert als Begegnungszone. Seither haben sich die Formen des Miteinanders ebenso gründlich gewandelt wie die Medien; die Neugestaltung war also überfällig.
Am Eröffnungsfest begegnet man Mangas und Musik. Und abends teilt sich der Autor Alex Capus die Bühne mit Bands aus Basel und Berlin: The Bianca Story und 17 Hippies. Fürs leibliche Wohl sorgt eine ‹kulinarische Werkstatt›, die vom Team des Teufelhofs betrieben wird. Das allerdings ganzjährig. Ihr Name ist eine Jahreszahl: 1777 – da fing mit der GGG alles an.
Wiedereröffnung GGG Stadtbibliothek Schmiedenhof und Restaurant 1777, Gerbergasse 24: Fr 8.5., 10–20 h, www.stadtbibliothekbasel.ch
GGG-Eröffnungsfest: Sa 9.5., 12–20 h, www.schmiedenhof.ch
Öffnungszeiten danach: Mo 12–20 h, Di bis Fr 10–20 h, Sa 10–17 h
Ausserdem: Interdisziplinäre Veranstaltungsreihe ‹reset!› mit Visionen zur Bibliothek der Zukunft (Ausstellung, Vorträge, Podium): bis Do 2.7., Schauraum B, Blaser Architekten, Austr. 24, www.schauraum-b.ch
‹Cyclo-Biblio 2015›-Velotour von Basel nach Strassburg:
Sa 6. bis Mi 10.6., Infos: www.cyclingforlibraries.org


























