
Peter Gut, ‹Untertanen›
ProgrammZeitung 3/2015, S. 19
Karikaturen mit Tiefgang
Alfred Ziltener
Das vielfältige Schaffen des Schweizer
Zeichners Peter Gut.
In einer altmodischen Wanne nimmt Dagobert Duck sein tägliches Geldbad. Doch diesmal kann er es nicht so richtig geniessen: «Dieses Schweizer-Franken-Bad ist ja die volle Härte, Johann.» Der Diener steht schon bereit – mit einem Weichspüler. Diese Karikatur von Peter Gut (S. 18) ist 2010 erschienen und wieder topaktuell. Es sei eine der Qualitäten von Guts Arbeiten – sagt Anette Gehrig, die Leiterin des Cartoonmuseums Basel –, dass sie über die Tagesaktualität hinaus gültig blieben. Das ist einer der Gründe, weshalb sie dem Künstler ihre nächste Ausstellung widmet.
Gut, 1959 in Zürich geboren, in Winterthur zuhause, lernte zunächst Schriftsetzer, begann aber schon früh zu zeichnen. Seine ersten Karikaturen schuf er für den Winterthurer Landboten und den Nebelspalter. Heute ist er fester Mitarbeiter des Monatsmagazins Bilanz und des Wochenblattes Die Zeit und zeichnet für die Samstagsausgabe der NZZ.
Streben nach Reduktion.
Auffällig an seinem Werk ist die Vielfalt seiner künstlerischen Mittel, von der Schwarz-Weiss-Zeichnung bis zur liebevoll ausgestalteten Gouache. Seine Unabhängigkeit vom Tages-Journalismus ermöglicht ihm, sich für seine Werke Zeit zu nehmen. Seine Karikaturen sind nicht einfach komische Übertreibungen: Gut beschäftige sich intensiv mit einer Person, bevor er sie abbilde, und versuche, ihren inneren Kern, ihr Wesen zu erfassen, sagt Gehrig. So zeigten seine Bilder – in komischer Vergrösserung – die Essenz eines Menschen. Wenn er etwa Elisabeth II. bei der Verkündung eines Sparprogramms darstellt (S. 18), hat dieses Bild einer gebrechlichen alten Dame auch etwas Anrührendes. Als weiteres Merkmal von Guts Kunst nennt Gehrig das Streben nach Reduktion und Vereinfachung.
Die Ausstellung zeigt jedoch nicht nur Karikaturen. Gut hat auch Humoristisches gezeichnet: Tierfabeln, komische Alltagssituationen. Er hat Bücher illustriert, Kinderbücher vor allem. Und er hat in jungen Jahren die Comicfigur Alphons erfunden, einen durchschnittlichen Zürcher Bürger, den er in komischen Episoden auftreten lässt. Auch seine erotischen Zeichnungen sind zu sehen. Zudem wird die Schau von einem ansprechenden Rahmenprogramm begleitet.
Peter Gut, ‹Fürs Leben gezeichnet›: Sa 7.3. bis So 21.6., Cartoonmuseum,
Vernissage: Fr 6.3., 18.30, mit Würdigung durch den Kabarettisten
Gerhard Polt; Matinée mit Peter Gut: Mi 22.4., 10–12 h
Führung mit Diskussion zur Frage ‹Was darf Satire?: Do 21.5., 18.30
(in Kooperation mit dem Philosophicum)


























